von: PHILIP ZIMMERMANN

BIST DU EIN VERSAGER?

Viele Leiter sehen Fehler zu machen als großes Versagen an. Aber genau das Gegenteil ist wahr.

Versagen ist dein Freund und nicht dein Feind also versage richtig.

Mein Versagen fing schon sehr früh an:

Ich war nicht besonders gut in der Schule. Ich habe einige Lernschwächen und zusätzlich bin ich Legastheniker und habe meine halbe Kindheit beim Psychologen verbracht. Dort haben wir immer Spiele gespielt und es gab nur Gewinner. Die wollten, glaube ich, unser Selbstbewusstsein aufbauen.

Ich wollte unbedingt nach der 9. Klasse aufhören und eine Ausbildung machen. Aber meine Mutter hat mir immer nur gesagt: „Philip, noch ein Jahr.“

Dass ich heute einen Bachelor, einen Master und einen Doktor habe, ist nicht zu fassen.

Ich muss zwar immer noch jeden Satz, den ich schreibe, korrigieren lassen, aber dafür habe ich gelernt, mich irgendwie durchzukämpfen.

Dann kam mein erster Vortrag vor Leuten. Oh, du hättest dabei sein sollen! Das war ein Spaß. Also für die Leute.

Ich war 16 Jahre alt und ich sollte vor 300 Schülern einen 30 Minuten-Vortrag halten. Ich hatte Monate davor schon angefangen zu üben. Der Tag kam und ich stand auf der Bühne und konnte mich nicht bewegen, weil mein rechtes Bein so gezittert hat, dass ich mein Gewicht nicht darauf verlagern konnte.

Hinzu kam, dass ich nach nur 11 Minuten fertig war.

Zum ersten Vortrag, den mein Vater von mir gehört hat, hat er erst mal nichts gesagt. Nach ein paar Tagen habe ich mal nachgefragt, was er davon gehalten hat. Er hat gesagt: „Also, er hat noch nie einen Vortrag in halben Sätzen geschrien gehört.“

Mittlerweile durfte ich live insgesamt zu mehr als 50.000 Menschen sprechen.

Wir brauchen einen entscheidenden Perspektivenwechsel. Wir müssen lernen, Versagen nicht als unseren Feind zu sehen, sondern als einen Freund.

Ich glaube, dass das den großen Unterschied macht. Die meisten Menschen sehen Versagen als den Feind. Aber wenn du anfängst, Versagen als deinen Freund zu sehen, dann kannst du einen wirklichen Durchbruch erleben.

Warum halten wir es für ganz normal, dass ein Kind immer wieder stolpert und hinfällt, wenn es das Laufen lernt. Nie würden wir auf den Gedanken kommen, zu sagen, das Kind wäre dumm, weil es gefallen ist, und es sollte damit aufhören. Es gehört einfach zum Laufenlernen dazu.

Als mein kleiner Neffe laufen gelernt hat (und der hat sich wirklich angestellt!?), wäre ich am liebsten hin und hätte gesagt: „Hey Carlos, lass das mal mit dem Laufen. So, wie ich die Situation beurteile, hast du mit Sicherheit andere Gaben – jedenfalls nicht das Laufen. Du fällst immer hin. Krabbeln kannst du, krabbele lieber.“ Meine Schwägerin hätte mir was erzählt.

Fehler zu machen ist ganz normal!

Versagen gehört zum Leben dazu. Ein Mensch, der nie einen Fehler gemacht hat, hat nie irgendetwas getan. John Maxwell hat es treffend ausgedrückt: „Die Person, die nichts riskiert, macht nichts, hat nichts und ist nichts.“

Walt Disney hat 302 Absagen bekommen, ehe er Geldgeber für seinen Traum fand, “den glücklichsten Ort auf der Welt” zu schaffen. Alle Banken hielten ihn für verrückt. Er war nicht verrückt; er war ein Visionär und – noch wichtiger – er besaß die Entschlossenheit, seine Vision in die Tat umzusetzen.

Keith Simonton hat eine Studie mit 2.036 Wissenschaftlern durchgeführt und fand dabei heraus, dass die Wissenschaftler, welche am meisten für ihre Werke respektiert wurden, mehr schlechte Werke produziert hatten als gute.

Das Schöne ist: Es ist normal, dass wir Fehler machen. Wir dürfen sie sogar machen, denn nur so können wir als Leiter wachsen und lernen.

Hier ist ein toller Spruch, der in meinen Augen viel Weisheit beinhaltet:

Erfolg ist das Ergebnis richtiger Entscheidungen.

Richtige Entscheidungen sind das Ergebnis von Erfahrung.

Erfahrung ist das Ergebnis falscher Entscheidungen.

Reflektionsfrage

Wie könnte eine neue Definition von Versagen aussehen?